Klangreiches Chorwerk zur Feier der Freimaurer

Brunis „Sinfonie Nr. 1 Ringparabel“ bejubelt uraufgeführt
Ließen Handwerker da im Konzertsaal ihr Werkzeug liegen? Ein Tisch mit Steinen, Holzstücken, Hämmern und Röhren stand neben dem Dirigentenpult in der Laeiszhalle. Aber das hatte seinen Sinn. Die Hamburger Komponistin Gloria Bruni verlieh ihrer „Sinfonie Nr. 1 Ringparabel “ mit Klängen und Geräuschen der Schmiede, Steinmetze und Zimmermänner authentische Klangfarben wie auch symbolische Bedeutung. Denn das Werk für Mezzosopran, Bassbariton und Knabenchor auf den Text der Ringparabel aus Lessings „Nathan der Weise“ entstand als Auftragswerk der Freimaurerloge „Absalom zu den 3 Nesseln“ und wurde zur Feier ihrer Gründung vor 275 Jahren uraufgeführt premarin cream cost.

Die Festredner und Freimaurer Bernd-Dieter Hessling und Axel Pohlmann beleuchteten denn auch in wohlgesetzten Worten den gedanklichen Hintergrund für Brunis programmatische Komposition. Die sich für Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit einsetzende ethische Gemeinschaft entstand aus den mittelalterlichen Dombauhütten, verbindet Ideen aus Handwerk und Philosophie mit gesellschaftlichem Wirken.
Die von Wilhelm Keitel geleiteten Hamburger Symphoniker legten sich mit Pauken und Trompeten mächtig ins Zeug, um Brunis dramatisch aufgebaute, illustrative Vertonung des religiösen Gleichnisses vom Vater, der seinen drei Söhnen gleiche Ringe hinterließ, weil sie ihm gleich lieb waren, zum Leuchten zu bringen. Nicht zufällig wählte die Komponistin für ihr Libretto die Sprache der italienischen Oper. Arienartig sang Deborah Humble die Erzählerstimme, gab ihren Dialogen mit Christian Tschelebiew und dem Knabenchor Uetersen Ausdrucks- und Stimmkraft. Im Schrei „Was zu tun?“ ließ sie unsentimental die Ver
zweiflung des Vaters spüren. Bruni scheut das Pathos nicht, entwarf mit orchestraler Wucht und Orgelsatz die Vision des Jüngsten Gerichts zum Finale, über dem engelgleich hohe Knabenstimmen schweben.

Mag Handwerkerlärm sonst im Alltag nerven, hier unterstützte sanfter Schmiergelstrich und heller Hammerklang den treibenden Puls des Eröffnungssatzes und gab dem Orchester-Intermezzo „5 Sinne & 5 Finger“ Scherzo-Charakter. Bruni hat eben das effektvolle Spiel mit Kontrast, Melodie und Rhythmus im kleinen Finger.
Quelle: Hamburger Abendblatt / 01.10.2012